17. Juli 2026
Musik.
Musik ist ein wichtiges Element für eine Trauerfeier. Und so individuell und persönlich wie die Verstorbenen und wie die Menschen, die bleiben.
Welche gemeinsamen Erinnerungen verbinden Sie mit diesem oder jenem Song? Welche Musik hat die, der Verstorbene geliebt? Hat sie oder er sich vielleicht bestimmte Lieder für die Trauerfeier gewünscht?
Es gibt bei der Auswahl von Musik für die Trauerfeier kein richtig und kein falsch. Wichtig ist: Was brauchen Sie? Was trägt Sie auf Ihrem Weg, in diesem Moment?
Ich stelle mir vor, die Verstorbene, eine ältere Dame, war unter anderem großer Fan von Udo Jürgens und seiner Musik. Kann es eine Überlegung sein, dass auf der Trauerfeier ein Lied von Udo Jürgens musiziert wird? Wie denken die Zugehörigen, wofür schlägt ihr Herz?
Vielleicht ist für die Familie ganz klar, dass auf der Trauerfeier zum Beispiel „Merci Chérie“ erklingen soll. Möglicherweise überrascht das Gäste und vielleicht schmunzeln manche, weil sie in der Musik die strahlenden Augen der Verstorbenen sehen. Vielleicht ist das auch ein Aufhänger für den Austausch von gemeinsamen Erinnerungen beim Trauercafé.
Eine andere Familie mag die Musik von Udo Jürgens zwar gerne, findet aber vielleicht keinen der Texte für den letzten Weg genau dieser Verstorbenen geeignet. Vielleicht entscheidet sich die Familie für ein anderes Lied, vielleicht für Reinhard Meys „Lass nun ruhig los das Ruder“. Vielleicht sind dieser Text und der ruhige Gesang wunderbar stimmig für diese Familie, passen haargenau zu der Verstorbenen und tragen mit. In der Ruhe ein erstes zögerliches Verstehen, Verstanden-Haben, Einverstanden-Sein.
Und noch eine andere Familie entscheidet sich für die Trauerfeier vielleicht für Musik von Johann Sebastian Bach, empfindet bei dieser Musik besonders viel Trost und Zuversicht und fühlt sich umhüllt, wie von einem warmen, weichen Mäntelchen. Dann ist so die Trauerfeier für diese Familie absolut rund und stimmig und diese Musik begleitet sie wunderbar.
Und manchmal ist es auch so, dass Menschen spüren, dass Musik sie zu sehr berührt und vielleicht überwältigt. Dann kann es entlastend sein, zum Beispiel in Stille von der Aussegnungshalle oder der Kirche zum Grab ziehen. Für diese Menschen ist das genau richtig und perfekt so.
Es braucht ein Hinspüren. Was war unserem, unserer Verstorbenen wichtig? Und was ist uns wichtig, wofür schlägt unser Herz? Mit welchem Lied verbinden wir Erinnerungen an unseren verstorbenen Herzensmenschen? Und was brauche ich, was brauchen wir, was unterstützt und trägt uns in dieser so außergewöhnlichen Situation?
Welche Musik soll auf Ihrer Trauerfeier erklingen?
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23. April 2026
Ob wohl bei der Trauerfeier mehr im Raum ist, als der in den Sarg gebettete Körper der Verstorbenen oder die Asche des Verstorbenen in der Urne? Diese Frage stellt sich immer wieder.
Manchmal fühlt es sich so an, als sei die, der Verstorbene noch einmal ganz präsent.
Wenn der Organist für seinen verstorbenen Kollegen noch einmal alle Klangfarben „seiner“ Orgel erklingen lässt.
Wenn die Tochter noch einmal ganz persönlich zur verstorbenen Mutter spricht.
Wenn Sohn und Enkel zusammen für den verstorbenen Vater und Großvater musizieren.
Oder neulich, als wir gebeten wurden, Bachs Air mit Geige und Orgel zu musizieren. Meine Lieblings-Geigerin und ich hatten uns vor der Feier getroffen, um die Musik noch einmal anzuspielen. Und während wir geprobt haben, wurde der Sarg in den Raum gefahren. Wir haben beide, unabhängig voneinander, Gänsehaut bekommen. Es war ein besonderer Moment – wie wenn wir uns kurz gegrüßt und freundlich zugenickt hätten. Und so besonders war auch die Trauerfeier. Es war eine der Trauerfeiern, bei denen alles passt und ganz stimmig ist. Da werden stabile Trittsteine gelegt für den Weg der Zugehörigen. Mit Worten, mit Musik, mit Gemeinschaft. Das trägt.
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19. Januar 2026
Er ist seinen Weg gegangen.
Es war sein ganz eigener Weg. Konsequent, mit klarer Haltung.
Das war nicht immer für alle leicht.
Manche haben ihn dafür bewundert. Für manche war er kauzig.
Er hat sich nichts daraus gemacht.
Er ist sich treu geblieben. Auf seinem Weg.
Gute Reise!
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16. Januar 2026
Zwischenzeit auf dem Friedhof
Lange Schatten, auch am Mittag.
Überraschend kräftig warm in der Sonne, sehr frisch im Schatten.
An manchen Stellen liegt noch Schnee.
An anderen strecken sich die Frühblüher der Sonne entgegen. Ob noch einmal Schnee kommen wird? Sie wagen es trotzdem.
Noch Weihnachtsdeko und schon erste Tulpen.
Ein Mensch wird zu Grabe getragen.
Zur Totenglocke begleiten die letzten Klänge ruhiger Orgelmusik den Weg. Klang, der trägt.
Blaumeisen, Kohlmeisen, Rotkehlchen und Kleiber geben ein frühes Frühlingskonzert.
Manche Knospen sind schon deutlich sichtbar, wachsen und warten auf ihren Moment.
Wintermücken tanzen im Gegenlicht.
Kalte, schwere Erde.
Strahlend blauer Himmel, leicht.
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14. Dezember 2025
Musik bestimmte ihr Leben. Sie hat immer gesungen. Auf dem Schulweg, auf dem Feld, bei der Arbeit, im Chor, im Gottesdienst, immer. Bis ins hohe Alter trugen sie die vertrauten Melodien. Auch als sie sich längst in eine andere Welt zurückgezogen hatte, blieben die vertrauten Melodien und die Texte. Gesprochen hat sie kaum noch, aber die alten Lieder sang sie bis zuletzt mit. Welch ein Schatz, für sie und für alle, die ihn mit ihr teilten – und sich mit einem Lächeln und der gemeinsamen Musik im Ohr an sie erinnern.
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27. Oktober 2025
Es ist Herbst. Meine liebste Jahreszeit. Auch auf dem Friedhof. Das grelle Licht des Sommers ist einem milden, vielleicht gnädigen Licht gewichen. Die bunten Blätter zaubern ein wunderbares Farbenspiel. Das bunte Laub bedeckt neue und alte Gräber. Auch die Kindergräber. So viel ungelebtes Leben. So viel Liebe.
Wenn ich auf dem Friedhof durch das Laub raschle, hat es irgendwie einen besonderen Klang. Irgendwie tröstlich. Sonst blitzblank polierte Ecken wirken so herrlich unaufgeräumt. Und gleichzeitig setzt die Sonne so manches Grab ganz besonders in Szene. Nebenan die zur Ordnung blasenden Laubbläser. Krass, diese Gleichzeitigkeit.
Unfassbare Schönheit dieses Naturschauspiels und tröstet doch nicht über das Meer von Kriegsgräbern hinweg. Tutti fratelli, alles Geschwister. Das haben die Frauen damals 1859 nach der Schlacht von Solferino erklärt. Und halfen jedem der zehntausende von Verletzten, unabhängig von der Nationalität. Ja: tutti fratelli. Et sorelle. Warum diese vielen Gräber? Bis heute.
Ich hebe den Kopf und blicke in die Weite des blauen Herbsthimmels. Die Lungen weiten sich, einatmen, ausatmen. Frieden spüren. Dankbar sein, für alles, was gut ist, gut tut, nährt, das Herz wärmt. Meins und deins.
Weitergehen.
